Holocaust Gedenkfeier

Wer in die Augen von Ruth Weiss blickt, sieht, wie wohl sie sich fühlt. Zwischen jungen Olfener Gesamtschülern zu sitzen, mit ihnen zu sprechen, den Holocaust-Gedenktag zu erleben, ist eine ihrer größten Freuden. Bei ihrer Lebensgeschichte ist das keine Selbstverständlichkeit. Immerhin hat die heute 88-jährige gebürtige Fürtherin ihre Heimat verlassen müssen, als sie zwölf Jahre alt war. Nur so ist sie der Verfolgung durch die Nazis entkommen. Heute ist sie eine der wichtigsten Mahnerinnen für Toleranz. Am Dienstag war sie Ehrengast der Holocaust-Gedenkfeier der Olfener Wolfhelm-Gesamtschule. Zum fünften Mal war sie da. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagt sie, was ihre Augen schon längst ausdrücken: „Ich finde es fantastisch. Solch eine Feier ist nur in Deutschland möglich.“ Ein großes Lob aus berufenem Munde für die Schüler und Lehrer, die die Feier organisiert haben. Eine Feier, deren Atmosphäre mehr als angemessen war. Im voll besetzten Forum sang der Schulchor jiddisches Liedgut, bereicherte ein Klezmer-Trio die Veranstaltung, lasen Schüler Texte von jüdischen Überlebenden des Holocaust. Junge Stimmen, die auf den Gesichtern der Zuhörer nachdenkliche Mienen hinterließen. Schulleiterin Anne Jung hatte zur Begrüßung sozusagen den Auftrag verkündet, den sich die Wolfhelm-Gesamtschule seit Jahren gibt: „Der Opfer der Verfolgung zu gedenken, ist gut.“ Das reiche aber nicht. „Es ist unser Anliegen, in unserer Demokratie gegen jede Form von Rassismus vorzugehen.“ Die Schüler, die Texte vortrugen oder Lieder sangen, die Lehrer, die durch Organisation und Musik zur Feier beitrugen, taten dies aus vollem Herzen. Doch auch die, die „nur“ zuhörten und zusahen, und die, die aus schulorganisatorischen Gründen nicht dabei sein konnten, verkörpern den Willen der Gesamtschule, dem Gütesiegel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ Taten folgen zu lassen.

Von Arndt Brede (Ruhr-Nachrichten)