Geschichtswettbewerb

Mit Historienprojekt fast zum Bundespräsidentent

Beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten hat Jens Noske von der Gesamtschule Olfen einen der insgesamt 15 zweiten Preise gewonnen. Was er das für ihn und auch für die Schule bedeutet, haben der Schüler und sein Tutor Tobias Horstmann uns im Interview verraten.

 

Guten Morgen Herr Noske, was war ihre erste Reaktion, als Sie vom Ergebnis des Geschichtswettbewerbs gehört haben, Freude über den zweiten Platz oder leichte Enttäuschung, dass es nicht zur Einladung nach Berlin gereicht hat? 
Also, von Enttäuschung kann ich hier gar nicht sprechen. Das war definitiv nicht der Fall. Ich habe mich selbstverständlich sehr darüber gefreut. Wenn man sich so lange so mit einem solchen Thema intensiv auseinandersetzt, entwickelt man eine emotionale Beziehung zur Thematik – obgleich man eigentlich mit objektiver Herangehensweise dort vorgehen will. Und dann freut man sich natürlich sehr, wenn man eine solche Rückmeldung bekommt, die bestätigt, dass einem gelungen ist, diese Begeisterung zu kommunizieren eben durch diese Arbeit. Aber das dauert ein wenig, bis man sich das für sich selbst realisieren kann.

Haben Sie Rückmeldungen, wie knapp Sie am ersten Platz und damit am Empfang des Bundespräsidenten vorbeigeschrammt sind? 
Nein, eine solche Rückmeldung habe ich nicht erhalten. Es ist so, dass die tatsächlichen Bewertungen durch die Juroren nichtöffentlich sind. Es ist allerdings möglich, sich bei Nachfragen zum Ergebnis, persönlich an das Team des Geschichtswettbewerbs zu wenden und dort Erkundigungen einzuholen. Dies hielt allerdings in diesem Fall aufgrund des für mich sehr erfreulichen Ergebnisses für nicht notwendig.

Schauen Sie sich eigentlich die Beiträge anderer Wettbewerbsteilnehmer an? 
Tatsächlich hätte ich in jedem Fall Interesse daran. Ich hatte aber in letzter Zeit nicht die Kapazität, noch weitere Beiträge ausführlich zu lesen. Ich habe mich allerdings über die ungefähre Thematik der Beiträge auf Landesebene zunächst informiert. Die Körber-Stiftung veröffentlicht online Zusammenfassungen.

Für den zweiten Platz gab es stolze 1000 Euro, für einen Schüler viel Geld. Wissen Sie schon, was Sie damit machen wollen? 
Nein, im Genauen weiß ich das noch nicht. In bin mir allerdings sicher, dass ich einen angemessenen Weg finden werde, dieses Geld zu nutzen. Als junger Mensch hat man dort sicher an irgendeiner Stelle Bedarf.

Wie geht es jetzt für Sie weiter. Sie machen im Sommer 2018 Abitur? 
Bereits im Frühjahr werden die Abiturvorklausuren beginnen, im Mai werden dann die regulären Abiturklausuren geschrieben.

Das heißt, für Sie war das die letzte Teilnahme an diesem Wettbewerb oder kann auch als Student Beiträge einreichen? 
Soweit ich weiß, ist es auch als Student möglich, an diesem Wettbewerb teilzunehmen. Ich glaube aber nicht, dass ich im Studium noch die Zeit dafür habe werde. Ich denke, es war jetzt ein schönes Ergebnis als Abschluss. Natürlich gibt es noch viele weitere Themen, zu denen man in dieser Art und Weise arbeiten könnte. Für mich persönlich ist dies aber wahrscheinlich meine zweite und auch letzte Arbeit.

Herr Horstmann, Sie sind Tutor von Herrn Noske gewesen. Haben sie festgestellt, dass mit den großen Erfolgen von Herrn Noske das Interesse an Geschichte hier an der Schule gestiegen ist? 
Das würde ich mir natürlich wünschen, als Geschichtslehrer. Aber ich glaube, das muss jetzt erst einmal die Zeit zeigen. Wir müssen einen Weg finden, die Ergebnisse von Jens´ Arbeit den Schüler publik und populär zu machen – zum Beispiel am Tag der offenen Tür. Dann müssen wir sehen, ob wir motivierte Schüler finden, die sich an dem Wettbewerb beteiligen möchten. Das wäre natürlich meine Ziel- und Zukunftsperspektive.

Was bedeutet es eigentlich für die Wolfhelmschule, wenn ein Schüler in einem so renommierten Wettbewerben so erfolgreich ist? 
Da sind wir absolut stolz. Vielmehr kann man dazu gar nicht sagen. Das ist ein tolles Ergebnis. Wir sind alle ein bisschen überrascht gewesen – zumindest bis wir das Ergebnis der Arbeit von Jens gesehen haben. Danach war mir ziemlich schnell klar, dass er bei dem Wettbewerb große Chancen hat. Wir sind stolz, dass es funktioniert. Wir sind stolz, dass Jens hier auf der Schule ist. Und wir hoffen, dass er hier einen guten Abschluss findet. Und dass wir auch in Zukunft ähnlich motivierte Schülerinnen und Schüler finden, die das Ganze weitermachen wollen.

Wird die Schule bei Informationsveranstaltungen oder Tagen der offenen Tür für künftige Oberstufenschüler oder auch für Fünftklässler diese Erfolge nutzen, um zu sagen. Wir sind in dem Bereich sehr stark? 
Das wollen wir auf jeden Fall machen. Gerade in diesem Bereich Öffnung von Schule im geschichtskulturellen Bereich ist es mein Ziel, dass wir uns da etwa breiter aufstellen. Deswegen wird Jens auf jeden Fall die Ergebnisse seiner Arbeit zum Beispiel am Tag der offenen Tür vorstellen. Das wäre auf jeden Fall mein Ziel, in der Oberstufe und vor allem auch in der Unterstufe Rahmen zu finden, um Schüler zum Mitmachen zu motivieren.

Herr Noske, zum Abschluss noch eine Frage an Sie. Nach dem Landeswettbewerb hatten Sie gesagt, dass Sie noch nicht genau wüssten, wie es mit Ihnen weitergeht. Hat sich das für Sie bereits etwas konkretisiert oder sind Sie noch in der Findungsphase?

In der Findungsphase bin ich definitiv noch. Tatsächlich ist es allerdings so, dass sich der Nebel, der sich dort vor mehr aufgetan hat, schon ein wenig gelichtet hat. Ich habe zumindest klar feststellen können, dass ich voraussichtlich nach dem Abitur mit einem Studium beginnen werde. In welche Richtung das Studium gehen wird, wird sich dann entscheiden. Ich könnte mir gut Jura vorstellen, eventuell auch in Kombination mit geisteswissenschaftlichen Fächern. Ich werde das aber erst zu gegebener Zeit entscheiden.

 

(Ruhrnachrichten,  26.11.17, Th. Aschwer)

Hoher Aufwand, schöner Erfolg

Jens Ulrich Noske hat nachgerechnet: Insgesamt 20 Tage hat der Schüler der Wolfhelm-Gesamtschule in seinen Beitrag für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten investiert. Jetzt gehört er zu den Landessiegern. Aber damit muss nicht Schluss sein.

Sein Tutor und Geschichtslehrer Tobias Horstmann ist von der Arbeit Noskes so überzeugt, dass er seinem überaus engagierten Schüler diesmal auch eine Chance auf Bundesebene einräumt. Bereits vor zwei Jahren hatte Jens Ulrich Noske auf Landesebene einen Preis gewonnen.

Mit der Erfahrung dieses Wettbewerbs und dem damit verbundenen Zugang zu hochkarätigen Gesprächskreisen ist der Lüdinghauser Schüler hoch motiviert an seinen diesjährigen Beitrag gegangen. Bereits der Titel verrät, wie komplex das von ihm gewählte Thema ist: „Religiöse Motivation politischen Handelns am Beispiel Fürstbischof Christoph Bernhards von Galen". Die Recherche sei teilweise ziemlich aufwendig gewesen, sagte Noske gestern „Das lag vor allem daran, dass es zur Person Christoph Bernhards von Galen viele Publikationen gibt. Diese komplett einzusehen und darin zu recherchieren, kostet natürlich viel Zeit und erfordert einen relativ hohen Aufwand."

Heraus gekommen ist dabei ein insgesamt 60-seitiges (!) Werk, wobei allein die umfangreichen Quellenangaben rund 10 Seiten füllen. Geholfen hat ihm bei dem Wettbewerb sein Tutor Tobias Horstmann, der Noske nach Bekanntgabe des Ausschreibungsthemas „Gott und die Welt.  Religion macht Geschichte" gezielt auf die Wettbewerbsteilnahme angesprochen hatte und ihn dann bei der Gesamtkonzeption unterstützt hat. Auch bei organisatorischen Absprachen mit der Schule half der Lehrer dem engagierten Schüler.

Nachdem jetzt das von Noske erhoffte Ziel - ein Preis auf Landesebene - erreicht wurde, stellt sich die Frage, was ihm der Erfolg bedeutet: „Die Arbeit an sich hat schon viel Spaß gemacht. Aber natürlich freut man sich sehr darüber, wenn es einem gelingt, bei einem verhältnismäßig hohen Arbeitsaufwand ein so schönes Ergebnis zu erzielen", sagt der Schüler der Jahrgangsstufe 12. Mit seinen Klassenkameraden habe er „noch gar nicht so extrem viel über den Erfolg gesprochen. Man tauscht sich eher über andere Dinge aus, mit denen man gemeinsam etwas verbinden kann."

Ist mit den Erfolgen beim Geschichtswettbewerb auch der Berufsweg vorgezeichnet? Für Jens Ulrich Noske auf gar keinen Fall. Ein Studium strebt er an. Ob es nun Geisteswissenschaften, eventuell Politikwissenschaften oder vielleicht auch Naturwissenschaften sind, der junge Mann hat sich noch nicht entschieden. Vielleicht hört er aber am Ende doch auf seinen Tutor. Aus Sicht von Tobias Horstmann sollte Noske seinen Studienwunsch noch gut überdenken. „Sonst könnte an dir ein wirklich guter Geschichtsprofessor verloren gehen."

Während für die Entscheidung noch Zeit bleibt, steht der Termin der Preisverleihung fest: am 3. Juli im Haus der Geschichte in Bonn. Und ob es danach für Jens Ulrich Noske noch weiter geht, entscheidet sich im Herbst.

Quelle: Ruhr Nachrichten

Jens Noske – Preisträger des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten

 

Am Montag, den 3. Juli 2017 wurde Jens Noske, im Rahmen einer von der Körber-Stiftung ausgerichteten Preisverleihung im Haus der Geschichte in Bonn, für seinen Beitrag zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten mit einem Landespreis ausgezeichnet. An dem Wettbewerb, an dem er bereits 2015 erfolgreich teilgenommen hat, beteiligte er sich mit einer Arbeit unter dem Titel „Religiöse Motivation politischen Handelns am Beispiel Fürstbischof Christoph Bernhards von Galen“.

 

Jens Noske holt seine Urkunde für den Landessieg des Geschichtswettbewerbs im „Haus der Geschichte“ in Bonn ab

Am Montag, d. 22.06. wurde im Haus der Geschichte in Bonn der Landespreis des „Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten“ an 73 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 3 bis 13 verliehen. Als einer der Sieger durfte Jens Noske von unserer Schule an der Verleihung teilnehmen. Neben den Mitstreitern verschiedenen Alters wurde auch Jens auf die Bühne gerufen, um seine offizielle Siegerurkunde für seine Arbeit „Die Geschichte der Flüchtlinge und Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach dem 2. Weltkrieg am Beispiel der Stadt Lüdinghausen“ aus den Händen von Dr. Thomas Paulsen, dem Vorstand der Körberstiftung,  in Empfang zu nehmen. Die feierliche Verleihung wurde begleitet von Reden, u.a. des Präsidenten der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland sowie musikalischen Beiträgen und einer Führung für alle Gäste durch die Dauerausstellung und die Sonderausstellung des Museums.

Alle anwesenden Teilnehmer haben im November die Chance, neben dem Landessieg auch den begehrten Bundespreis zu gewinnen, der von niemand Geringerem als unserem Bundespräsidenten verliehen wird. Wir drücken Jens Noske jetzt schon die Daumen für November.

Lehren aus der Flucht - Geschichtswettbewerb des deutschen Bundespräsidenten

Jens Noske schrieb Arbeit über Flüchtlinge nach dem Krieg. Er hat Sieg-Chancen.

Irgendwie ist gerade eine gute Zeit für Jens Noske. Der 16-jährige Schüler der Wolfhelm-Gesamtschule ist am Freitag als einer der drei Besten des Zehner-Jahrgangs geehrt worden. Und nun hat er gute Karten, den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten zu gewinnen. Er schrieb eine Arbeit mit wissenschaftlichem Anspruch über Flüchtlinge.

Nicht über Flüchtlinge der heutigen Zeit eigentlich, aber trotzdem mit engem Bezug zur Integrationsdebatte in der Zeit der heutigen starken Flüchtlingsströme. So eine Zeit gab es nämlich schon einmal, 1945, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Damals wurden die Deutschen aus den ehemals deutschen Ostgebieten vertrieben. Jens Noske, der in Lüdinghausen wohnt, hat mit einigen dieser Menschen über die damalige Zeit gesprochen. „Mein Großvater stammt selbst aus dem Sudetenland“, erzählt er. Darum habe er schon oft darüber nachgedacht, zu diesem Thema mal zu recherchieren. Er meldete sich für den Wettbewerb an und begann im Herbst mit der Arbeit.

„Es gibt viele vor allem mündlich überlieferte Quellen – also viele Zeitzeugen“, sagt er. Er kenne zwei ältere Damen, die wie er in der evangelischen Kirchengemeinde aktiv seien. Mit ihnen führte er Interviews. Besonders beeindruckt habe ihn die Aussage einer der beiden Frauen: „Sie sagte mir, als sie nach Lüdinghausen kam, wurde sie in de Schule geärgert und gehänselt – mit den gleichen Kindern im Sportverein sei sie aber immer gut klargekommen.“ Die Vertriebenen sprachen zwar Deutsch, aber einen anderen Dialekt – dadurch fielen sie auf.

Laut Jens Noske löste sich die Problematik erst mit den Jahren: „Die Integration hat geklappt. Es ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte, die ich nun ins Verhältnis zur heutigen Integrationsdebatte gestellt habe.“ Herausgekommen ist eine Mappe mit 20 Seiten, auf denen er wie in einer wissenschaftlichen Arbeit, also mit Fußnoten und korrekter Zitierweise, eine Klammer von früher zu heute setzt. „Wir können viel daraus lernen“, sagt Jens Noske.

Schulleiterin Anne Jung sagt: „Wir sind sehr stolz auf unsere Preisträger.“ Sein Geschichtslehrer Tobias Horstmann, der ihn bei der Arbeit außerhalb des Unterrichts unterstützte, meint: „So viel Eigenmotivation, Ideen und Kreativität habe ich bei einem Schüler selten erlebt.“ Er ist der erste Schüler der Mittelstufe, der am Wettbewerb teilnimmt. Und hat eine Top-Platzierung auf Landesebene schon sicher.

Am Montag fahren Tobias Horstmann und Jens Noske nach Bonn ins Haus der Geschichte. Dort werden die Preise an drei Sieger des Landeswettbewerbs verliehen. Wer gewinnt, qualifiziert sich für den Bundeswettbewerb. Dann könnte es im November auch noch nach Berlin gehen: In Schloss Bellevue verleiht Joachim Gauck den Preis persönlich an die Sieger.

Quelle: Ruhr Nachrichten

In den 80ern Außenseiter, heute Pionier

Sie wollten irgendetwas über die Hexenverbrennung machen. Doch einen solchen Wettbewerbsbeitrag gab es schon. Also entschlossen sich Jens Eigenbrodt, Zhyuan Luo und Sebastian Benterbusch um: Die drei frischen Abiturienten forschten auf einem Feld, das viel näher an der heutigen Realität ist. Geschichte zum Anfassen.

Ihr „Außenseiter“, so lautet das Oberthema des Geschichtswettbewerbs, ist ein Pionier der Bio-Landwirtschaft: Theo Schürmann aus Oer-Erkenschwick. In den 1980er-Jahren war der Bauer der erste in der ganzen Region, der sich von der konventionellen Tierhaltung verabschiedete und sich in Zeiten, in denen an Bio-Siegel noch niemand einen Gedanken verschwendete, einige Bio-Auflagen selbst verpasste: reiner Anbau ohne Gifte und Pflanzenschutzmittel, Futter ohne chemische Zusätze. „Er war damit damals Außenseiter: Die anderen Bauern waren verwundert“, sagt Jens Eigenbrodt, wie seine Mitstreiter 19 Jahre alt.

Dabei haben die drei nach einer besonderen Darstellungsform gesucht. Herausgekommen ist ein 25-minütiger Dokumentarfilm über den Hof, seinen Macher, den erst viel später aufgekommenen Bio-Trend. „Heute ist es ja Lifestyle geworden“, sagt Jens Eigenbrodt. Früher war das anders. Schürmann war auch einer der ersten mit einer eigenen Windkraftanlage. Dazu suchte er sich genossenschaftlich 170 Mitstreiter, die jeweils 1000 Mark investierten.

Der Film hat einen Förderpreis beim Landeswettbewerb Geschichte gewonnen. Zur Freude der drei jungen Männer und ihres Lehrers Robert Rühlmann. 

Quelle: Ruhr Nachrichten

Förderpreis: Diese Schüler drehten einen Doku-Film über Landwirt Theo Schürmann.
Förderpreis: Diese Schüler drehten einen Doku-Film über Landwirt Theo Schürmann.

Schüler des Projektkurses Geschichte erforschen das „Polenlager“ in Haltern und rufen zur Mithilfe auf

Michelle Dewender, Jan Matuszak und Hendrik von Hagen (13. Jahrgang) nehmen am diesjährigen Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten zum Rahmenthema „Anders sein. Außenseiter in der Geschichte“ teil und erforschen dazu die „displaced persons“ des sogenannten „Polenlagerlagers“ in Haltern. Das „Polenlager“ war ein nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten errichtetes Zwischenlager für die ehemaligen polnischen Zwangsarbeiter des NS-Regimes, die nicht in ihre Heimat zurückgeführt werden konnten. Die drei Schüler hatten die besondere Gelegenheit den polnischen Konsul Dariusz Klaczko, der anlässlich einer Gedenkveranstaltung in Haltern zu Besuch war, u.a. zum deutsch-polnischen Verhältnis zu interviewen. Neue Erkenntnisse und Ansichten konnten aus dem Gespräch mit dem polnischen Botschafter in der Stadtbücherei Haltern gewonnen werden. Dennoch könnten die drei Forscher weitere Fotos, Dokumente oder Zeitzeugen zu den „displaced persons“ und dem „Polenlager“ für ihr Geschichtsprojekt gut gebrauchen und bitten die Bürger aus Haltern und Umgebung um ihre Unterstützung (Kontaktdaten siehe Presseartikel unten).

Der polnische Konsul Dariusz Klaczko empfing die jungen Schüler Hendrik von Hagen (l.), Michelle Dewender und Jan Matuszak in der Stadtbücherei. Foto: privat
Der polnische Konsul Dariusz Klaczko empfing die jungen Schüler Hendrik von Hagen (l.), Michelle Dewender und Jan Matuszak in der Stadtbücherei. Foto: privat

Junge Forscher: Schüler erkunden das Polenlager

­Bald ist es 70 Jahre her, dass der Zweite Weltkrieg endete - eine lange Zeit. Die heutige Schülergeneration hat nicht einmal mehr den Fall der Mauer erlebt, können sie da mit der Zeit um 1945 überhaupt etwas anfangen? Drei Schüler der Gesamtschule Olfen tauchen in Haltern tief in die Geschichte ein - und wurden dafür sogar vom polnischen Konsul empfangen.

Am Anfang war das große Fragezeichen. "Wir wollten uns mit unserer Schule am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten beteiligen", erklärt Michelle Dewender, "aber wir hatten keine Ahnung, welches Thema wir bearbeiten sollen." Die junge Halternerin steht in der Gesamtschule Olfen im letzten Jahr vor dem Abi, und nun wartete eine neue Aufgabe auf die 19jährige. Eine große dazu, denn der Wettbewerb der Körber-Stiftung unter dem Motto "Anders sein. Außenseiter in der Geschichte" hat keinen geringeren Schirmherren als Bundespräsident Joachim Gauck und spricht junge Menschen in der ganzen Republik an. Eine gute Platzierung spräche nicht nur für eine hervorragende Leistung, sondern würde sich auch gut im Lebenslauf der Abiturientin machen. Jetzt musste ein Thema her, aber was?

"Wir konnten ein privates oder lokales Geschichtsthema nehmen", erinnert sich Michelle, aber auch zusammen mit ihren beiden gleichaltrigen Mitschülern, Jan Matuszak und Hendrik von Hagen, jonglierte sie zunächst mit verschiedenen Ideen, die sie aber alle nach und nach wieder verwarf. "Dann stieß ich auf das Polenlager", berichtet die Schülerin.


Ein düsteres Kapitel (1945 - 1948)

Das "Polenlager" ist ohne Zweifel eine der düstersten Episoden in der Halterner Nachkriegsgeschichte. Nachdem die Nazityrannei ab dem 1. September 1939 Europa mit Krieg überzogen hatte, wurden in sechs Jahren tausende polnische Menschen als Zwangsarbeiter ins Deutsche Reich verschleppt, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen für Hitlers Militärmaschinerie schuften mussten. Als die Alliierten 1945 Deutschland besetzt hatten, sahen sie sich mit einer riesigen Anzahl von sogenannten "displaced persons" konfrontiert. Für diese Menschen musste kurzfristig eine temporäre Bleibe geschaffen werden, bevor man überhaupt an eine Rückführung in ihre zerstörte, und inzwischen auch von der Sowjetarmee besetzte Heimat denken konnte. Einer der Orte für ein solches Zwischenlager war Haltern.

Diesmal waren es die Halterner, die aus ihren Wohnungen geholt wurden. 3500 Deutsche wurden zwangsgeräumt, damit die polnischen Vertriebenen unterkommen konnten - so ist es kaum verwunderlich, dass sich in der einheimischen Bevölkerung weitere Ressentiments gegen die Polen verbreiteten. Im Lager selbst mussten sich bald 5500 Flüchtlinge um 15 Duschen streiten, und neben den katastrophalen hygienischen Bedingungen brachen sich Kriminalität und Schwarzmarkthandel Bahn. Eine dreijährige konfliktreiche Zeit für alle Seiten begann - ein schwieriges Thema für drei 19jährige Schüler.


Hilfe aus der Stadtbücherei

Doch sie bekamen Schützenhilfe von einem erfahrenen Historiker und Quellenexperten: Stadtbücherei-Chef Bernhard Köster öffnete den Schülern Archiv, Bibliothek und beide Ohren, und so konnte die Arbeit der Drei beginnen. "Es kostet Zeit und Kraft, und die Quellenlage ist schwierig", betont Michelle Dewender. Glücklicherweise unterstützt die Schule die Arbeit und schenkt den jungen Forschern zwei Stunden in der Woche für ihre Recherche. Dabei stießen sie auf unerwartete Erkenntnisse.
"Einige der ehemaligen Zwangsarbeiter wollten nicht mehr in ihre Heimat zurück", sagt Hendrik von Hagen. "Polen war von den Russen besetzt, und sie versprachen sich bessere Chancen im Westen." Das war auch für Jan Matuszak eine Überraschung: "Das hätte ich so nicht erwartet, und das widerspricht auch etwas meiner bisherigen Vorstellung von dieser Zeit." Da waren Menschen, die von einem fremden Land angegriffen, verschleppt, erniedrigt, ausgebeutet und fast umgebracht worden waren - und dennoch wollten sie bleiben, und helfen, ihr Leben und dieses Land wieder aufzubauen. "Da gab es Polen, die haben sich gegen ihre Landsleute zusammengetan, wenn sie Unrecht verüben wollten", berichtet auch Michelle fasziniert. Statt einem schwarz-weißen Geschichtsbild entdeckten die Schüler auf einmal sehr viele Graustufen, je weiter sie in die Materie vordrangen.


Bewegende Gespräche

Besonders bewegend waren für die jungen Menschen die Gespräche mit Zeitzeugen, von denen es nicht mehr viele gibt in diesen Tagen. Sie sprachen mit ehemaligen Insassen, deren Bewachern und Halterner Bürgern, die sich noch an die drei Jahre des Lagers erinnern können. "Die Interviews durften wir auch filmen", erklärten die Drei. Um bei so vielen Quellen und Gesprächen den roten Faden nicht zu verlieren, wurden und werden sie von Berhard Köster und ihrem Geschichtslehrer unterstützt.

Eine besondere Ehre wurde den drei jungen Forschern nun bereits zuteil: Der polnische Konsul Dariusz Klaczko, der Haltern einen Besuch anlässlich einer Gedenkveranstaltung abstattete, empfing Michelle, Jan und Hendrik in der Stadtbücherei Haltern.

"Das war sehr informativ und spannend", freuten sich die Schüler, "wir durften auch einige private Fragen stellen und uns über die persönliche Auffassung des Botschafters über das deutsch-polnische Verhältnis erkundigen". Begeistert berichten die Drei, wie nett und freundlich sie von dem polnischen Würdenträger empfangen wurden.


Hilfe ist willkommen

Nun steht noch etwas Pflicht auf dem Programm, bis auch die Kür vollendet ist: In den kommenden Wochen wollen die Abiturienten ihr ehrgeiziges Projekt weiter verfolgen und die Ergebnisse für den Wettbewerb bis kommenden Januar zusammenstellen.


Dabei bitten sie die Halterner um Mithilfe: "Fotos und Dokumente aus der Zeit wären für uns sehr nützlich", unterstreicht Michelle, "und ganz besonders würden wir uns über Zeitzeugen freuen, die uns etwas über das Lager berichten können." Wer den dreien helfen möchte, kann sie unter der Nummer Tel.: 0157 8 94 77 579 erreichen.

 

Quelle: Presseartikel des Stadtspiegels vom 26.11.14 [Link]