Philosophie

Mein Kind, du bist schon furchtbar alt,
Die Welt ist längst dein Aufenthalt.
Vor sieben Jahren gänzlich fremd
Ist sie vertraut dir wie dein Hemd.
Es kommt dir schon natürlich vor,
Dass du zur Decke wächst empor,
und dass das Wasser abwärts rinnt,
und  dass die Spinne Fäden spinnt,
Und dass der Würfel  eckig sei,
Und eins und eins gerade zwei.
Dies alles scheint dir selbstverständlich;
Doch lerne mehr, - so lernst du endlich,
Dass alles dieses ganz und gar
Erstaunlich ist und wunderbar,
Und wunderbarer nichts als just,
Dass du dir dieser Welt bewusst.
Und sie - vertraut dir wie dein Hemd
Wird dir ganz sachte wieder fremd;
Mit siebzig kommst du alter Tor,
Dir drin als grüner Neuling vor.

 

Robert Faesi (1883 - 1972)

 

Das Gedicht des Schweizer Schriftstellers Robert Faesi zeigt treffend das Hauptanliegen der Philosophie: Scheinbar Selbstverständliches, sowie sich selbst und das eigene Denken, kritisch zu hinterfragen.

Der Philosophieunterricht versucht den Schülern dies dadurch zu vermitteln, dass sie sowohl Philosophie als auch philosophieren lernen.

Ersteres erlernt man, indem man verschiedene Positionen bekannter Philosophen argumentativ nachvollzieht und vor ihrem zeitgeschichtlichen wie philosophie­geschichtlichen Hintergrund reflektiert, miteinander vergleicht und auf ihre Tragfähigkeit und Aktualität hin untersucht.

Philosophieren lernen hat demgegenüber weniger mit der Aneignung von philosophischem Wissen zu tun, sondern erfordert und fördert die Fähigkeit Gewohntes und Bekanntes in Frage zu stellen, zu staunen und die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Das Ziel dieses Denkens besteht darin, den eigenen Standpunkt zu beleuchten oder überhaupt erst einmal einen Standpunkt herauszubilden. Dabei ist der stetige Austausch mit den Meinungen anderer von großer Bedeutung.

Die Methoden im Philosophieunterricht sind dementsprechend vielfältig. Neben dem Lesen und Analysieren philosophischer Texte gehören auch das Durchführen von Gedankenexperimenten und die Auseinandersetzung mit philosophischen Anlässen in Malerei, Film und Literatur dazu. Die Schüler werden zudem dazu motiviert, die eigenen philosophischen Überlegungen in Form philosophischer Essays  auszuformulieren und ihre argumentativen Fähigkeiten -  beispielsweise durch eine Teilnahme am ‚Bundes- und Landeswettbewerb Philosophischer Essay‘ - mit anderen Jungphilosophen zu messen.

Das Fach Philosophie wird an unserer Schule in der Sekundarstufe II als Ersatzfach für Religion angeboten. Da es als „neues“ Unterrichtsfach einsetzt, sind keine fachspezifischen Vorkenntnisse erforderlich. Hinreichende Voraussetzungen wären Interesse an der Welt, Offenheit und Bereitschaft zum Engagement.

Als Teil der Abiturprüfung kann das Fach Philosophie im Grundkursbereich (3. oder 4. Abiturfach) das gesellschaftswissenschaftliche  Aufgabenfeld abdecken.

Die Philosophie hat, da sie sich inhaltlich auf eine Gesamtdeutung der Welt und der menschlichen Existenz richtet, im Gegensatz zu den einzelnen Wissenschaften keinen begrenzten Gegenstandsbereich. Deshalb bietet sich das Fach Philosophie sowohl als Ergänzung zu Fächern wie Deutsch, Geschichte oder Sozialwissenschaften, insbesondere wenn diese als Leistungskurse belegt werden, an, da vieles von dem, was in diesen Fächern thematisch ist, im Fach Philosophie vertieft werden kann. Darüber hinaus gibt es aber auch viele Ansatzpunkte für weitere fächerübergreifende Themen- und Fragestellungen. So gibt es Bezüge zu Fächern des mathematisch-naturwissenschaftlichen Aufgabenfeldes, etwa zwischen Mathematik und Logik, oder zwischen Wissenschafts- bzw. Erkenntnistheorie und einzelnen Naturwissenschaften.

Übersicht über die Unterrichtsthemen im Fach Philosophie

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Fachkonferenzvorsitzende:

Antonia Hoppenberg

 

Mailto: hoa@wolfhelmschule.com