Unterricht/Lernen

Eine Fahrt in die Vergangenheit – ein Schülerbericht von Samira Heckmann

Wir schreiben Sonntag, den 6. Oktober 2019, als wir uns morgens auf den Weg ins 13 Stunden entfernte Krakau machen und eine Reise in die Vergangenheit antreten. Die Stadt ist geprägt von kleinen und großen Restaurants, hübschen Marktständen, Grünstreifen und Hotels. Doch neben all den schönen Dingen, hat Krakau eine bittere Vergangenheit, welche uns konstant an unser Erbe erinnern wird. Sie erinnert uns an die Zeit des Nationalsozialismus und die grausamen Taten, welche dort begangen wurden. Etwa eine Stunde von Krakau entfernt befindet sich das ehemalige Konzentrationslager „Auschwitz“. Beginnen wir aber am Anfang der Fahrt.

 

Zwischen Stadtführung, Museumsgang und dem Krakauer Nachtleben

Unser Programm startet am Montag mit einer Stadtführung. Krakau ist wunderschön und facettenreich. Zwischen den kleinen traditionellen Restaurants stehen Marktstände, zahlreiche Pferdekutschen und viele, kulturell diverse Bars, Kneipen und Clubs. In zwei Gruppen erkunden wir die Stadt zu Fuß und können anschließend selber herumgehen.

In der Nacht von Montag auf Dienstag erkunden alle die Stadt ein wenig mehr, vor allem aber das Nachtleben der Stadt. Krakau bei Nacht und Krakau bei Tag wirken gänzlich unterschiedlich. Nachts leuchten der Marktplatz und die verschiedenen Bars und Clubs.

Bereits am Dienstag blickten wir erstmals in die Vergangenheit und werden durch das Krakauer Viertel „Kazimierz“ geführt, besichtigen einen jüdischen Friedhof und einige Synagogen. Später macht sich der Leistungskurs Geschichte auf den Weg in das Schindler-Museum. Man wird in eine andere Zeit entführt und von den Erzählungen, Ausstellungsstücken und den verschiedenen Räumen eingenommen. Es ist schwer zu erklären, welch ein Gefühl, welche Erkenntnis einen trifft und einnimmt, das Museum ist unglaublich eindrucksvoll.

 

Plan für Mittwoch: Auschwitz

Das Konzentrationslager, etwa eine Stunde von Krakau entfernt, ist wohl der emotionale „Höhepunkt“ (dieser eigentlich positiv konnotierte Begriff sei hier ausnahmsweise erlaubt) unserer Fahrt.

Nach den strengen Sicherheitskontrollen machen wir uns in zwei Gruppen auf Richtung Eingang des Lagers: über uns der eiserne Schriftzug „Arbeit macht frei“. Das Wissen über die Anzahl der Todesopfer begleitet uns während der geleiteten Führung von Baracke zu Baracke. Irgendwann kommen wir an einer besonders grausamen Baracke an: Räume voller Gepäck, Schuhe, Prothesen und Haare. Schlafsäle und Waschräume, die einem Gänsehaut verursachen. Es ist beklemmend all das mitanzusehen. Fotos von ehemaligen Häftlingen tapezieren die Wände und geben den Nummern ein Gesicht, eine Identität. Später gehen wir in die nächste Baracke und sehen Zellen, die so eng sind, für so viele Menschen, dass sie Platzangst verursachen. Ebenfalls besichtigen wir das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Laufen den Weg entlang, welcher Jahrzehnte zuvor tausende Menschen in den Tod führte. Den Weg in die Ruinen der Gaskammern.

Nach einer Pause machen wir uns auf den Weg in die Baracken 23 und 25 und haben dort zwei Workshops, bei denen wir einerseits die Täterseite beleuchten und andererseits Häftlingskunst analysieren.

 

Jede Reise hat muss ein Ende haben

Nach einem ereignisreichen Tag bricht mit Donnerstag der letzte Tag der Reise an. In Gruppen aufgeteilt wird noch ein Museum besichtigt und ein Gespräch mit einer Zeitzeugin geführt, die auf emotionale und eindringliche Art und Weise von ihren tragischen Erlebnissen berichtet hat. Dieses sehr persönliche Gespräch rundet unsere Gedenkstättenfahrt thematisch und emotional ab. Wir bekommen noch die Zeit, das Erlebte zu reflektieren, um uns mit dem erlangten Wissen von einer erfahrungsreichen und intensiven Reise zurück auf den Weg nach Deutschland zu machen.