Datteln-Gebäude | zur Startseite Datteln-Gebäude | zur Startseite
 

Die Ehrenmedaille der Stadt Arras geht nach Olfen

16.​09.​2026

Am 14. Juli ist der französische Nationalfeiertag. Hier feiert sich die Republik und alle diejenigen, die ihr Ehre bringen. So durfte auch Herr Leturque, Oberbürgermeister der Stadt Arras im Norden Frankreichs, zehn Menschen mit der Goldmedaille der Stadt ehren. Und diesmal war ein Lehrer der Wolfhelmschule in Olfen dabei. 
 

Seit nunmehr zehn Jahren fahren Schüler:innen und Lehrkräfte der Wolfhelmschule einmal im Jahr in die Stadt Arras in Frankreich. Man könnte meinen, es ginge um einen Sprachaustausch, wie man ihn kennt. Schüler:innen beider Länder treffen sich, um einander zu begegnen, die Verständigung miteinander zu üben und kulturelle Kompetenzen zu vertiefen.
 

Aber die Fahrt nach Arras steht unter einem vollkommen anderen Stern. Auf dieser Fahrt begegnen wir Jahr für Jahr den Nachfahren der Menschen, denen Deutsche ein Generationen überspannendes Trauma beschert haben, und das gleich zwei Mal. Im Ersten Weltkrieg hat das deutsche Militär die wunderschöne Stadt Arras fast vollständig zerstört. Der bildschöne Marktplatz, der erhabene Bergfried, die ehrwürdige Kathedrale – alles war in Schutt und Asche. Die Menschen in Arras haben ihre Stadt wieder aufgebaut, so schön wie sie war und schöner. Und dann kam die Zeit der deutschen Besatzung während der Nazi-Diktatur. Bergleute sollten für den Nachschub kriegswichtiger Rohstoffe sorgen, gegen quasi keine Gegenleistung. Wer sich zur Wehr setzte, wurde „an die Wand gestellt“. Der Jüngste war gerade einmal sechzehn Jahre alt und damit jünger als unsere Schüler – Abiturienten – mit denen wir heute immer wieder nach Arras fahren. 
 

Die Reisegruppe der Wolfhelmschule wird dort jedes Jahr von Bernard Belgeulle empfangen, der sein Leben und Wirken der französisch-deutschen Verständigung gewidmet hat. Gemeinsam mit seiner Frau Denise, seiner Tochter Celine und anderen Mitgliedern des von ihm gegründeten Vereins, nimmt er die Gäste mit auf eine Reise von den Schrecken und dem Wahnsinn des Krieges hin zum Dialog der Gegenwart. Seine Warmherzigkeit und sein Herzblut sind beispiellos und verzaubern immer wieder. 
 

Die deutschen Schüler:innen sind in Arras herzlich willkommen, was dadurch bekräftigt wird, dass sie jedes Mal im Rathaus offiziell empfangen werden und Herr Arnaud Michel, der für internationale Kontakte zuständige Bürgermeister der Stadt Arras, sich Zeit für die Schüler:innen nimmt. Beim Kartenspielen und Musikhören tauschen sie sich aus und stellen fest, dass das Gemeinsame, Verbindende so viel stärker ist als das Trennende und Entzweiende. 
 

Am vergangenen Nationalfeiertag, dem 14. Juli, ehrte die Stadt Arras nun Bürger der Stadt, die sich um ihre Heimat besonders verdient gemacht haben, darunter auch Bernard Bernard Belgeulle und Tobias Horstmann, den Organisator der Arrasfahrt auf Seiten der Wolfhelmschule Olfen, mit der goldenen Medaille der Stadt Arras für ihre Arbeit zum Thema Erinnerung und internationaler Austausch. 
 

Diese Geste zeugt von Großmut und dem wahrhaftigen Willen, gemeinsam Zukunft zu gestalten. Das erklärte Ziel der Studienfahrt soll bis auf Weiteres nicht aus den Augen verloren werden: Dafür Sorge zu tragen, dass der Wahnsinn der vergangenen Kriege der Freundschaft, Herzlichkeit und Dankbarkeit weicht. Nous nous inclinons devant vous, chers amis.

 

Fotoserien


Ehrenmedaille der Stadt Arras (16.​09.​2026)